5 Variationen meines Gedichtes, geschrieben von Michael Freuding
Thema,
Das Tier in uns
Das
Tier in uns hat scharfe Zähne
läuft
wild und gierig seine Runden
und
manchmal zeigt sich eine Träne
wen
wundert's, es ist angebunden.
Die
Krallen wurden ihm geschnitten
das
Spitz der Zähne minimiert
sein
Fell geschoren, abgeschnitten
wen
wundert's, wenn sich's echauffiert.
So
sind wir Menschen, für und wider
ein
bisschen seltsam, weil dual
der
Stift führt uns zum Ursprung wieder
dem
Tier in uns ist das egal.
Variation
1, Wilde Erkenntnis
Was
schreit und tobt in meiner Seele,
wenn
ich mir fremde Wege wähle
und
Sittsamkeit mich drückend quält?
Das
Tier in mir ersinnt sich Freiheit,
der
Mensch winkt ab und wählt die Trägheit,
weil
das dem Volke so gefällt.
Ich
möcht’ mich in der Wildnis spüren,
möcht
reuelos dich, Weib, verführen,
als
gäbe es die Sitte nicht.
Will
animalisch küssen, beißen,
die
Kleider dir vom Leibe reißen,
so
ganz banal, ganz männlich, schlicht.
Wir
streben nach dem Glanz der Strenge,
begeben
uns in jede Enge,
obwohl
das Tier in uns noch brüllt.
Zwei
Wesen müssen sich vereinen,
dann
sind wir mit uns selbst im Reinen,
dann
Leben wir vom Glück erfüllt.
Variation
2, Wortgemenge
Beißen,
reißen, Pranken schlagen,
Feinde
ächten, schlachten, jagen –
Das
verlangt der Mensch in mir.
Lieber
in die Ferne schweifen,
sich
bemühen, weiter reifen,
erst
wenn’s gilt, nach Sternen greifen,
so
gebart sich manches Tier.
Werben,
buhlen, schwärmen, balzen,
locker
mit den Fingern schnalzen,
Baby,
was erzähl ich‘s dir?
Schau,
wie ich mich um dich schlage,
wortgewaltig
dir behage,
niemals
schreie, niemals klage,
nur
für deines Lächelns Zier.
Nisten,
bauen, Pflöcke schlagen,
eigenes
Revier umhagen,
trautes
Heim, geraubtes Glück.
Denk
zurück an wilde Zeiten,
reichliche
Gelegenheiten,
Nächte
der Unwägbarkeiten-
Jene
Zeit kommt nie zurück.
Variation
3,Sonett des Fortschritts
Das
Tier in mir will lamentieren,
beklagt
sich, dass es angebunden,
fühlt
sich getreten und geschunden-
sollt
mich das wirklich int‘ressieren?
Mein
Biss ist stumpf, ich kann verlieren,
ich
habe kämpfend mich gewunden,
will
nunmehr die Moral erkunden,
da
sollt' kein Tier sich echauffieren.
Wenn
beide Wesen mit sich ringen,
besiegt
die Ratio das Gespür.
Das
lehrte mich vor allen Dingen,
wohin
der Drang zur Einheit führt.
So
will ich mich zur Spaltung zwingen
Und
bleib vom Tiere ungerührt.
Variation
4, Hommage
Wenn
ich das Tier in mir spüre,
schmilzt
der Mensch dahin. Schmilzt
der
Mensch dahin, vergeht das Verlangen.
Ohne
Verlangen vernebelt der Sinn.
Ohne
Sinn verblassen die Fragen.
Ohne
Fragen verlier ich die Sprache.
Ohne
Sprache ist nichts mehr zu sagen.
Ist
nichts mehr zu sagen, dann steh‘
Ich
alleine. Alleine mit Menschen und
Tieren
in mir.
Wenn
ich das Tier in mir spüre,
ahne
ich, was ich gewesen bin.
In
mir jedoch schmilzt das Menschsein dahin.
Die
Triebe zerschlagen banale Gedanken.
Ohne
Gedanken besteht keine Sprache.
Die
Sprache verloren, verblassen die Fragen.
Verblassen
die Fragen, ist nichts mehr zu sagen.
Ist
nichts mehr zu sagen, dann steh‘
Ich
alleine. Alleine mit Menschen und
Tieren
in mir.
Variation
5, Klassisch
Ach
Mensch, du sollst dich ernsthaft hinterfragen,
denn
was du denkst, entspricht dir oftmals nicht.
Seitdem
die ersten Menschen nicht mehr jagen,
verging
nur wenig Zeit, drum bliebst du schlicht.
Wir
nutzen jede Technik zum Verblöden,
so
lebt es sich bequemer ohne Not.
Derweil
Moral und Anstand uns veröden,
schreit
manches Kind des Wohlstands noch nach Brot.
Wir
stillen nicht das wirkliche Bedürfnis -
was
uns am Leben hält, ist ganz banal.
So
kommt es zu manch innerem Zerwürfnis,
wer
reichlich konsumiert, besiegt die Qual.
So
hängen wir am Tropf der Illusionen
Und
zählen uns zum Kreis, der heimlich führt.
In
Wahrheit sind wir Knechte wie Millionen,
vom
Herdentrieb geblendet, integriert.
Wir
kämpfen wie Idioten um die Freiheit -
Gesetz
des Dschungels, du verhießest Heil!
Wir
wählen uns ein Ideal der Dummheit
und
meinen, daran hätten wir nicht teil.
Herzlichen Dank, Michael!
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